Mittwoch, 29. Februar 2012

Burnout - Die fehlende Bilanzposition

Bilanzen und Controlling frei von Burnout


2010 sind laut Bundesverband der Deutschen Arbeitgeber (BDA) insgesamt 70.000 Beschäftigte mit psychischen Erkrankungen dauerhaft aus dem Arbeitsleben ausgeschieden. Mit anderen Worten: Psychische Erkrankungen haben den höchsten Anteil an Frühverrentungen in Deutschland. Hinzu kommen in demselben Jahr noch einmal 55 Millionen Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen. Umgerechnet ergibt dies über 200.000 Beschäftigte die kurzzeitig oder längerfristig nicht der Tätigkeit an ihrem Arbeitsplatz nachgegangen sind.

Die Kosten dieser Situation, die sich über Jahre hinweg aufgebaut hat, sind für Unternehmen jedoch nicht klar zu bestimmen. Richtig ist, dass die arbeitgeberfinanzierte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in den Personalkosten erscheint. Nicht in der Bilanz erscheinen hingegen die Kosten des Unternehmens durch die nicht erbrachte Arbeitsleistung. Denn so richtig und wichtig die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die soziale Stabilität der Deutschen Wirtschaft ist, so sehr trifft es eben auch zu, dass Unternehmen in dieser Zeit keinen Gegenwert in Form von Arbeitsleistung erhalten.
Davon ausgehend, dass die Arbeit dennoch getan werden muss, sind Unternehmen gezwungen entweder Zeit- oder Leiharbeitskräfte mit den Aufgaben des Erkrankten zu besetzen, oder sie verteilen die Arbeitsaufgaben auf die verbliebenen Kolleginnen und Kollegen. In ersterem Fall entstehen Kosten für die erbrachte Arbeitsleistung. Der zweite Fall dagegen scheint kostenneutral, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Bereich samt Personalkosten sind ja „eh schon da“. Mehrkosten fallen also nur bei der Leistung bezahlter Überstunden durch dieselben an.

Fallen wirklich nur diese Kosten an? Ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll anzunehmen, dass in einem sozio-technischen System wie einer Abteilung, einem Team, einem Unternehmen keine Kosten durch die psychosoziale Belastung von Beschäftigten entstehen?

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