Mittwoch, 7. März 2012

Betteln um ein echtes Studium

Burnouts an der Uni können nicht überraschen

Beim Zusammenstellen der Artikel für Burnout & Beratung – Nachrichten der vergangenen Woche fielen die zahlreichen Artikel auf, die sich mit einer Meldung über das vermehrte Auftreten von Burnout-Fällen bzw. Burnout-Syndrom ähnlichen Symptomen bei Studentinnen und Studenten an Universitäten befassten.

Nun frage ich mich aber, woher diese „Überraschung“ kommt? Wieso erscheint es unwahrscheinlich oder unmöglich, dass es Stress, Ermüdung, Erschöpfung, fehlende leistungsbezogene Kommunikation, fehlende Entscheidungsfreiheiten, fehlende Sinnzusammenhänge, widersprüchliche Anweisungen, Anleitungen und Inhalte an die Universitäten geschafft haben sollen? Steckt da in den Köpfen noch das Image des faulen Studenten, der bis 12 Uhr schläft, ab 14 Uhr an der Uni eine Veranstaltung besucht oder maximal zwei und ab 18 Uhr erst im Studenten-Café und danach die Nacht über in der Studenten-Kneipe zu finden ist? Ich weiß nicht, wer dieses Bild kreiert hat. Vielleicht ist es nur die Folge eines gewissen Sozialneids, der den hinreichend Begabten (und wir wollen hier vereinfachend unterstellen, dass wer es an eine Uni geschafft hat auch wirklich die Allgemeine Hochschulreife im Sinne des Wortes besitzt) mit diesem Zerrbild entgegenschlägt? Ich selbst kann aus meinem Studienleben der 1980er und 1990er Jahre nur sagen, dass diese Gruppe Personen vielleicht 5 Prozent ausgemacht haben. Und nein, diese waren nicht ihr gesamtes Studium so drauf. Die Mehrzahl derer, denen ich persönlich gewahr wurde, legten eher eine Art „Ruhesemester“ ein. Eines mit weniger Studium, dafür mehr Freizeit, ggf. aber auch mehr Arbeit zur Studienfinanzierung.

Ein solches Ruhesemester ist unter den Bedingungen der EU-Vereinheitlichung von Studiengängen im Rahmen des „Bologna-Prozesses“ nicht mehr möglich. Es erlaubt auch kaum noch freie Fächerwahl oder eine eigene Kursfolge festzulegen. Dafür ist die Anzahl der Prüfungen angestiegen, da auch im Semester geprüft wird und dies nicht zu selten. Im Sinne der Vereinheitlichung – über deren Wert als solches mit Sicherheit nie hinreichend genug gestritten wurde – wurden soviele Regeln und Vorschriften geschaffen, dass mithin der mündige Bürger in Form des mündigen Studenten offenbar nie existiert haben kann. Das vorstehend skizzierte Bild war wohl die Vorlage jener Bildungsreformer, deren System nun vermehrt Burnout-Fälle nach sich zieht.

Nun studieren aber an unseren Universitäten volljährige Menschen, denen die Gesellschaft offiziell die Fähigkeit und das Verständnis zugesteht, sich an Wahlen zu beteiligen und Rechts- von Unrechtsparteien unterscheiden zu können. Diese jungen Menschen haben ein 12- oder 13-stufiges Schulsystem durchschritten, an dessen Ende sie als die vermeintlich bestgebildetsten jungen Menschen in das Leben entlassen werden, auch auf die Universitäten, an denen heutzutage (im Gegensatz zu meiner Zeit) zumeist Gebühren zu entrichten sind. Diesen trauen wir nicht zu, verstehen, welch besondere Chance sie im Leben und in der Gesellschaft haben, in dem sie studieren? Und deswegen geben wir ihnen wie in der Schule, ja vielleicht sogar noch mehr vor, was sie wann wo wie zu studieren haben und wann sie in wieviel Prüfungen den Konsum des Lehrstoffes belegen müssen? Was für ein geringes Ansehen bietet die Gesellschaft heute diesen jungen Menschen?

Lesen Sie den kompletten Blog-Beitrag "Betteln um ein echtes Studium" auf meiner Website.

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