Mittwoch, 9. Mai 2012

Burnout kommt so unerwartet


Der Vogelstrauß lebt nicht nur in Afrika
„Und plötzlich hatte ich Burnout.“ Naja, so ganz plötzlich nicht, wenn sich der Mensch dann hinsetzt und sich ein wenig Zeit zum Nachdenken nimmt - sobald das wieder geht. Denn dann werden die Symptome, die vor der Diagnose auftraten, plötzlich doch auf psychische Überlastung zurückgeführt. Für mich war die wohl kurioseste Erkenntnis im Nachgang, dass eine vor 30 Jahren einmalig in einem Frühling aufgetretene Pollenallergie an den Augen sich zurückmelden kann - rein psychisch angeregt. Der Magen machte vor meiner Erkrankung bei mir Probleme und übliche Hausmittel in Verbindung mit Schonkost waren keine Hilfe. Und erst als ich ein wenig Ruhe hatte stellte ich eigentlich fest, dass ich mit einem Dauerkopfschmerz lebte.
Andere Sympotme die auftreten können (bei mir war dies dann nicht der Fall) sind allergische Reaktionen der Haut oder Erkrankungen der Atemwege, speziell Husten-, Schluckbeschwerden, Entzündungen und Reizungen im Halsbereich und auch die Mandeln können sich plötzlich zu Wort melden. Besonders Frauen berichten oft von Kreislaufproblemen und Schwindelgefühlen. Das ist es medizinisch gesprochen. Aber diese körperliche Sprache des Burnoutsyndroms lässt sich in Alltagssprache übersetzen, bis hin zu Sprichwörtern oder geflügelten Worten, die wir alle kennen. Wir tun es halt nur nicht, wenn ein solches Symptom auftritt.
So jucken Menschen plötzlich Dinge, die scheinbar früher an ihnen abgeperlt sind oder nicht zu ihnen durchdrangen. Sie können - oder wollen - nicht mehr alles schlucken, was ihnen vorgesetzt oder zugemutet wird. Neue Aufträge oder Arbeitsanweisungen will die Psyche nicht mehr verinnerlichen. Wer einen dicken Hals hat, dessen Psyche seht sehnt sich nach Aussperrung, Ruhe und keinem weiteren Input. Sodbrennen können wir hier auch einordnen. Halsthematiken sind aber auch Probleme es unausgesprochenen, des Ungesagten, sei es der eigenen Meinung oder eigener Empfindungen. Was das Bauchgefühl sagen will und die Stimme nicht ausspricht bleibt im Hals stecken und reizt dort.
Kreislaufprobleme sind ein generelles Verarbeitungsproblem im gesamten menschlichen System. Vielleicht treten sie bei Frauen häufiger auf, weil bei Ihnen die Hirnhälften stärker miteinander verbunden sind. Dass Frauen generell etwas anders „ausbrennen“ als Männer, scheinen zumindest viele neuere Studien nahe zu legen. Und so erklären sich Schwindelanfälle mit den sich zwischen den Hirnhälften im Kreise drehenden Gedanken. Wie auf ein Rad gespannt  sprechen sie von einem Verlust der Orientierung oder von Ausweglosigkeit. Ein Ohnmachtsanfall, Kreislaufzusammenbruch oder auch nur das sich kurz einmal Hinsetzen müssen, sind nichts weiter als ein Überfahren werden. Also wissen Menschen eigentlich, was mit ihnen los ist. Eigentlich hätte ich wissen müssen oder zumindest können, dass mir etwas schwer im Magen liegt. Nichts anderes sind Magenrobleme, egal ob nun ein schlecht verdauter Gänsebraten oder ein emotionales oder sachliches Problem im Kopf. Es liegt schwer im Magen. Und es muss raus, sonst gibt es Probleme.
In meiner Zeit in der Klink und gegenüber meinem Therapeuten habe ich scherzhaft öfters gesagt, dass mir das Talent zum Alkoholiker fehlen würde. Daher kam ich nie auf die Idee gegen das Magengefühl einen Verdauungsschnaps zu nehmen. Andere Menschen tun dies und das nicht nur bei einem schlecht verdauten Gänsebraten. Ja es bedarf nicht einmal schwerer Magenprobleme. Es ist eine einfache Reaktion auf ein irgendwie vorhandenes Phänomen, nicht immer ganz bewusst. Und so wird aus dem Bier am Abend ein Sechserpack am Abend, die Flasche Wein jeden Abend, die Flasche Whisky jeden Abend. Klingt absurd? Es ist Alltag in Deutschland. Genauso ist die Nutzung von Schmerzmitteln und anderen Medikamenten, verschreibungspflichtigen wie auch frei verkäuflichen ein Alltagszustand ist. Schmerzmittel helfen vermeintlich gegen die Schmerzen, deren Ursachen aber ganz wo anders liegen.
Und auch wenn es immer wieder abgestritten wird, so ist in vielen großen Unternehmen, speziell auch großen Beratungsunternehmen, Substanzmissbrauch in Form von Rauschmitteln ein alltäglicher Zustand, der mal mehr mal weniger offen gelebt wird. Und das Internet eröffnet praktisch unbegrenzten Zugang zu neuen „Wundermitteln“ aus aller Welt, alten, vermeintlich vergessenen Heilmitteln, oder einfach nur neuen Designerdrogen mit unerforschten Auswirkungen auf die Psyche allgemein, die Gehirnzellen und somit den gesamten Menschen.
Das alles klingt wenig gesund. Ist es auch nicht. Und jedes objektive Nachdenken (jenseits von politischen Fundamentaldebatten über Legalisierung von Drogen, den Umgang mit Alkohol oder die Regulierung der Medikamentenabgabe) muss zu der Erkenntnis gelangen, dass das Hinzuführen von körperfremden Substanzen in den menschlichen Körper zu dessen Zustandsänderung nicht die passende Lösung ist.
Kein Mensch käme auf den Gedanken, wenn er die Hand auf eine heiße Herdplatte legt, diese dort liegen zu lassen und gegen die Schmerzen eine Pille zu schlucken. Auch das Wegziehen der Hand, um eine Salbe aufzutragen und danach wieder die Hand auf diese heiße Herdplatte zurück zu legen ist ein Gedanke, den kaum ein Mensch je gehabt haben wird. Warum verhalten wir und im Berufsleben anders? Warum verhalten wir und in Bezug auf uns selber anders?
Lesen Sie den kompletten Blogbeitrag "Burnout kommt so unerwartet" auf meiner Website.

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