Dienstag, 12. Juni 2012

Abschalten vom Burnout gibt es nicht


Freizeit und Urlaub schützen nicht vor Burnout
Selbst aus berufenem Mund soll schon so manches Unwort gekommen sein. Das Rote Beete-Saft, wie eine afrikanische Gesundheitsministerin einst verkündete, gegen AIDS helfen soll, mag zumindest in der westlichen Welt auf taube Ohren fallen. Bei psychischen Leiden ist es dagegen schwieriger zu entscheiden, was nun sinnvoll oder nicht sinnvoll ist. Das liegt zunächst einmal daran, dass unser Bildungssystem uns eigentlich nicht so recht auf Gesundheitsfragen im Allgemeinen und noch weniger auf psychologische Fragen unserer Selbst vorbereitet. Wenn dann mal Prominente an Depressionen erkranken, so bieten diverse Lifestyle-Magazine (früher Klatschpresse genannt) zwar dicke Überschriften aber so recht keine medizinisch oder psychologisch geschulte Aufklärung. Und das Studium von allgemein verständlichen Fachmagazinen vermittelt in erster Linie einen Blick auf die allgemein in der Wissenschaft gerade streitenden Meinungen.

Wie erst soll es da bei einer bereits als Epidemie oder Volkskrankheit titulierten Thematik wie dem Burnoutsyndrom aussehen? Burnout kommt zwar nicht unerwartet über die betroffenen herein, wie ich bereits in einem Blogbeitrag versucht habe darzustellen. Aber die unvermittelte Breite, mit der das Phänomen der Gesellschaft nun gegenüber tritt, war so weder angekündigt noch durch eine nennenswerte Anzahl von Experten und Spezialisten vorhergesagt. Man könnte bei der aktuell in den Medien ausgerufenen Burnout Epidemie, in Analogie zum weitgehend unerwarteten Crash der Finanzmärkte, vom Psychologischen Crash der Gesellschaft und ihrer psychologischen Experten sprechen, parallelen zum Versagen der Rating-Agenturen und der wissenschaftlichen Gelehrten in Psychologie und Soziologie ziehen.

Nun ist jeder Mensch natürlicherweise betroffen, wenn ihm ein Fehler unterläuft. Nicht weniger ist ein Mensch betroffen, wenn ihm in seinem Fachgebiet ein Fehler unterläuft. Nun ist es unklar, ob das Nichtvorhersehen der Burnout Welle in diesem Land ein Fehler im Sinne einer falschen Addition oder eines Rechtschreibfehlers darstellt. Es ist aber ein öffentlich gesehenes Versäumnis. Nun haben des Märkte an sich schnell zu reagieren, die Wissenschaften diskutieren und probieren lieber bis klare Ergebnisse vorliegen. Und so ist der Markt für Burnout Prävention schnell von Tatkräftigen Unternehmern besetzt worden, die entweder Fortbildungskurse zum zertifizierten Burnout Berater für 600 Euro anbieten, oder aber Burnout Coaching anbieten. Mit etwas Verzögerung sind Wellness-Hotels auf die Welle aufgesprungen und bieten Reiseveranstalter nun Burnout-Reisen und Burnout-Präventionsseminare an. Als Letzte haben nun die Zertifizierungsinstitute die Burnout-Branche entdeckt. Um in all dem Angebot den Suchenden Hilfestellung zu geben bieten Sie Hotels und Kureinrichtungen eine Zertifizierung an, die bescheinigt, dass es sich um ein geprüftes „Anti-Burnout-Hotel“ handelt.

Diese wirtschaftlichen Auswüchse werden traditionelle Wissenschaftler mit Grausen sehen, denn es besteht beim Thema Burnout nur Einigkeit darin, dass es sich um eine vorübergehende Störung der Fähigkeit zur Lebensbewältigung handelt. Diese tritt zumeist mit Depressionen, Schizophrenie oder, wie in jüngster Zeit häufiger attestiert, Angststörungen auf. Die Auslöser selbst werden in unterschiedlichster Art und Weise gruppiert und bewertet. Und wie auch der Klimawandel von Wissenschaftlern bezweifelt wird, so wird auch unter Psychologen und Psychotherapeuten an der wirklichen medizinischen Existenz von Burnout gezweifelt. Allenthalben hilft dies alles den Burnout betroffenen Menschen nicht weiter.

Wenn es denn also aus berufenem Munde, von einer qualifizierten Stimme der wissenschaftlichen Gemeinschaft eine öffentliche Wortmeldung zum Thema Burnout gibt, die nicht dem eigenen Buch oder der eigenen Klinik dienlich sein soll, dann ist dies sicherlich zu begrüßen. Es kann helfen der allgemeinen Verwirrung ein wenig Aufklärung angedeihen zu lassen. Es ist nicht ohne Risiko, denn Journalisten kürzen gerne ab oder stellen in Berichten und Artikeln eigene Zusammenhänge her. Und auch die Presseagenturen, die die Medien beliefern sind inhaltlich an Wortzahlen und Kernaussagen gebunden. Was die Kernaussage ist, kann dabei zwischen Sprechendem und Hörendem sehr unterschiedlich gesehen werden und auch das gelesene Wort muss nicht dem Geschriebenen entsprechen, nachdem es durch das Gehirn des Lesenden aufgenommen, verarbeitet und interpretiert worden ist.

Und so stellt sich mit die Frage, ob aus berufenem Munde in der vergangenen Woche wirklich verkündet wurde, die Menschen sollten mehr abschalten, um sich vor Burnout zu schützen und ob und wie dies gemeint sein kann?

Lesen Sie den ganzen Blogbeitrag "Abschalten von Burnout gibt es nicht" auf meiner Website.

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