Donnerstag, 30. August 2012

Burn-Out durch Monitor, Smartphone, Tablet?



Fördern LED Displays das Burnoutsyndrom?



Dieser Beitrag bezieht sich auf Aussagen von Schlafforschern der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sowie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart, die ich der Ausgabe II/2011 der Zeitschrift „Faszination Seele“ so gelesen habe, eine Zeitschrift für Patienten mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörige. Veröffentlichen wollte ich meinen auf diesem Artikel fußenden Blog-Beitrag schon wesentlich früher, aber die Gefahr heutzutage für die öffentliche Wiedergabe der eigenen Meinung oder eigener Thesen und Schlüsse juristisch belangt zu werden, ist doch sehr hoch und für einen selbständigen Berater nicht von der Hand zu weisen.
 
Bevor ich zum eigentlichen Blogbeitrag komme, möchte ich daher aus juristischen Gründen vorab erklären, dass ich in diesem Artikel nicht unterstelle, dass die Produkte eines oder mehrerer Hersteller, deren Bestandteil auch LED-Bildschirme sind, oder LED-Bildschirme als solche Auslöser, insbesondere alleinige Auslöser, eines Burnoutsyndroms sind, oder sein können. In diesem Blog-Beitrag suchen ich lediglich nach einem möglichen Sinnzusammenhang zwischen der Zunahme des Burnout-Syndroms in den vergangenen Jahren in Deutschland, damit verbundenen Erscheinungen wie Schlafstörungen und den vorstehend bezeichneten Aussagen, wie ich sie der vorstehend bezeichneten Quelle entnommen habe. Diese Sinnsuche meinerseits ist nicht wissenschaftlich, entspricht nicht den Popperschen‘ Kriterien will aber gerne zu Studien anregen, deren wirtschaftlich unbeeinflusste Ergebnisse dazu beitragen mögen Ursachen und Risikofaktoren für Burnout auszuschließen.
 
Diese juristische Feststellung meinerseits getroffen, veröffentliche ich nun gerne diesen Blog-Beitrag. Was mich letztendlich mit dazu bewogen hat diesen Beitrag in meinem Blog zu veröffentlichen war die Äußerung des Leiters der Abteilung Arbeitsmarktpolitik bei Gesamtmetall, Burnout habe seine Ursachen hauptsächlich im privaten Bereich, da die Beschäftigten dort 82% ihrer Zeit verbrächten. Damit habe ich mich in meinem vorherigen Blogbeitrag über das „Outsourcing des Burnout Problems“ eingehend befasst. Nun könnte es den Anschein haben, ich wolle meinen massiven Widerspruch zu dieser Aussage aufweichen, denn der heimische Lebensbereich ist voll von LED-Bildschirmen - angefangen mit dem Fernseher. Dem ist aber nicht so.
 
Arbeitgeber haben eine Schutzverpflichtung gegenüber ihren Arbeitern und Angestellten. Diese Schutzverpflichtung einzuhalten ist nicht leicht. War Asbest anfänglich ein Segen für die Baubranche so wurde er später zum Problemfall und Gebäude zum teuren Sanierungsfall, weil sich Asbest als krebsauslösend erwies. Was heute gut scheint, kann morgen schon in seiner Gefährlichkeit für die Gesundheit nachgewiesen sein. Das dies so ist hängt mit dem menschlichen Denken zusammen. Wir Denken in Chancen und Möglichkeiten, in Verbesserungen und wo diese einen wirtschaftlichen Gewinn versprechen wird dieser auch realisiert. Dies ist zumeist deshalb auch möglich, weil es für neue Dinge kaum Vorschriften, Prüfkriterien und gesetzliche Rahmenbedingungen gibt. Das Internet gab es zwar schon mehrere Jahrzehnte, aber erst seine breite Nutzung führte zur Einführung von Gesetzen, meist solchen die rechtsfreie Räume schlossen. Regelungen hängen in der heutigen, schnell an Wissen hinzugewinnenden Gesellschaft, der technischen Entwicklung hinterher.
 
Aber auch Forschung und Wissenschaften hinken einander hinterdrein. Was in einem Fachgebiet A herausgefunden untersucht und als unbedenklich freigegeben wurde, kann in einem Fachgebiet B unbekanntes Neuland sein. In solch zeitlicher Asymmetrie sind Entscheidungen mit Unsicherheit verbunden. Je größer die Unsicherheit, desto größer das Problem des Schutzes vor Risiken. Das betrifft nicht nur chemische Substanzen, die nach 10 Jahren intensiver Forschung als unbedenklich gelten, bis weitere 30 Jahre später gesundheitlich negative Langzeitfolgen entdeckt werden. Von daher gehen zu Recht die Meinungen über den Forschungsbedarf welcher erforderlich ist, bevor heutzutage neue Substanzen oder Geräte in Umlauf gebracht werden dürfen, weit auseinander.
 
Dass es so etwas normales, simples und alltägliches wie LED-Bildschirme betreffen könnte, mag verwundern. Aber wie normal und alltäglich waren Laptops und Fernseher mit Flachbildschirmen vor 10 Jahren, oder 15 Jahren? Ich werde nicht müde zu schreiben, dass es in keiner medizinischen Wissenschaft heute mehr neue Veröffentlichungen gibt, als in der Gehirnforschung. Über nichts an uns und in uns publizieren wir als mehr und neuere Erkenntnisse, als über jenen Teil unseres Körpers, in den wir als geistiges Wesen zumindest physisch mehrheitlich zu finden sind. 
 
Als Gewohnheitstiere haben wir uns daran bisher nicht angepasst. Aber unser Körper braucht nur sehr kurze Zeit auf äußere Veränderungen zu reagieren. Gewohnheitsmäßig legen wir unsere Hand nicht für längere Zeit auf eine heiße Herdplatte, verzeichnen einen Anstieg sexueller Botenstoffe im Körper, wenn uns ein attraktiver Partner oder eine attraktive Partnerin begegnet und wir reagieren auch auf LED-Bildschirme: Wir unterdrücken das Schlafhormon Melatonin, wodurch sich unser Wach-Schlaf-Rhythmus verschiebt. Einschlafstörungen, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und vermehrtes Stressempfinden können die Folgen sein.
 
Lesen sie den ganzen Blog "Burn-Out durch Monitor, Smartphone, Tablet?" auf meiner Website. Dort finden Sie im Blog-Beitrag auch den Link zur Studie.
 

Montag, 20. August 2012

Outsourcing des Burnout-Problems


Arbeitgeberverband Gesamtmetall veröffentlicht
merkwürdige Haltung zu Burnout



Leserinnen und Leser meines Burnout-Blogs wissen, dass ich mich mit frontalen Angriffen zurückhalte. Nicht nur weil sie unschön sind, sondern auch weil das Internet voll von Menschen ist, die ihre Kenntnisse von Gesetzeslücken oder Gerichtsurteilen dazu nutzen Gewinne aus ehrlichen Absichten von Unternehmern und Freiberuflern zu schlagen, die eigentlich nur informieren oder ihre Sicht der Dinge darstellen wollen.
 
Heute will ich eine Ausnahme machen. Ich mache sie, weil es niemand geringeres als den Arbeitgeberverband Gesamtmetall betrifft. Als Unternehmensberater ist das zugegebenermaßen mutig. Immerhin umfassen meine potentiellen Kunden auch die Mitglieder bei Gesamtmetall.

Aber ich erwarte gerade von Unternehmern und demzufolge von Arbeitgebern eben mehr als bloßes Management. Dies habe ich schon in meiner Zeit als Angestellter getan. Ich erwarte Führung und Übernahme von Verantwortung. Und von einem Verband, der die Arbeitgeber einer für Deutschland so wichtigen Branche wie der Metall- und Elektro-Industrie vertritt, erwarte ich besonders viel, weil deren Wohlfahrt auf Grund ihrer Größe einen Einfluss auf die Wohlfahrt in unserer gesamten Volkswirtschaft mithin der gesamten Gesellschaft hat.

Mit dem Interview, welches Dr. Falk-Gerald Reichel, Leiter der Abteilung Arbeitspolitik in der Nordwest Zeitung zum Thema Burnout gegeben hat, sehe ich diese gesellschaftliche Aufgabe in gröbster Weise verletzt. Die selbstverständliche Pflicht zur Übernahme von Verantwortung durch Unternehmer, Unternehmen, Vorstände, Manager und Geschäftsführer wird aus meiner Sicht in fahrlässiger Weise unterlaufen. Da das Interview auch auf den Seiten desArbeitgeberverbands Gesamtmetall wiedergegeben ist, gehe ich davon aus, dass das Interview so tatsächlich stattgefunden hat. Somit schließe ich eine Fehlinterpretation der im Interview gemachten Aussagen bei dessen Wiedergabe durch die Nordwest Zeitung ebenfalls aus.

Was mich nun in gewohnt leidenschaftlicher Form umgangssprachlich ausgedrückt auf die Palme bringt?

Es ist das Outsourcing des Burnout-Problems!

Sie wissen was Outsourcing ist? Falls nein hier die kurze Erklärung: Outsourcing ist ein Vorgang bei dem ein Unternehmen die Herstellung eines Produktes, einer Dienstleistung oder eines Bauteils bzw. einer Baugruppe, welche für die Erstellung der eigenen Leitung benötigt wird, nicht mehr selbst übernimmt, sondern an ein anderes Unternehmen abgibt. Die Quelle (engl.: source) wird von innen nach außen verlagert, wodurch eine Zulieferfunktion entsteht. Und nicht weniger tut der Leiter der Abteilung Arbeitspolitik bei Gesamtmetall mit dem Thema Burnout, bzw. den Ursachen für Burnout. Er lagert sie aus den Unternehmen seines Verbandes großzügig aus.

Lachen sie jetzt nicht, aber wenn Sie den vorstehend verlinkten Artikel lesen, so steht dort: „Bei uns in der Metall- und Elektroindustrie sind die Mitarbeiter aufs Jahr gesehen rund 82 Prozent ihrer Zeit außerhalb des Betriebs. Das allein macht klar, dass auch ein Großteil der Quellen für Burnout-Symptome im Freizeitbereich zu suchen sind.“

Lesen Sie es ruhig zweimal, dreimal oder viermal. Es wird sich nichts an der Aussage ändern. Weil Menschen ihre Zeit nicht nur am Arbeitsplatz verbringen, sondern z.B. zu Hause schlafen, essen, trinken, zur Arbeit pendeln, ist klar, dass die Ursachen für Burnout einen Großteil der Quellen im Freizeitbereich haben. Ist das wirklich klar?

Nach der Logik des Leiters der Abteilung Arbeitspolitik bei Gesamtmetall, müsste also die Zahl der Burnoutfälle sinken, wenn die Menschen weniger Freizeit hätten, bzw. mehr Zeit am Arbeitsplatz verbringen würden, wo sich ja zumindest weniger Quellen für Burnout finden, als im häuslichen Schoße der Familie, unter Verwandten, Freunden und Bekannten.

Ich kann, will und werde nicht ausschließen, dass diese Ansicht von Herrn Dr. Reichel durch die Beobachtung seines eigenen Lebens gedeckt ist. Er hätte dann, ungeachtet der Sträflichkeit, die ich seiner Aussage zubillige, mein persönliches und menschliches Mitgefühl. Selbst vormals von Burnout betroffen, weiß ich wie schlimm dies für einen Menschen ist und er könnte sich meiner besten Wünsche für seinen weiteren Weg gewiss sein.

Aber dies würde nichts an der völligen Unhaltbarkeit der Kausalität ändern, die der Leiter der Abteilung Arbeitspolitik bei Gesamtmetall versucht herzustellen. Gewiss, die Überschrift des Interviews mag suggerieren, dass es inhaltlich nur um eine Relativierung der Ursachen geht, dass also nicht nur Faktoren der Arbeitswelt zu Burnout bei Menschen führen. Es hat m.W. nach aber auch nie jemand behauptet, dass Burnout nur durch Arbeit verursacht werden könnte oder würde. Eine Relativierung erübrigt sich somit.

Es kann dem Interviewten aus meiner Sicht aber auch nicht um eine Relativierung gegangen sein. Die Frage: Ist die Arbeit der wichtigste Burnout-Auslöser?“, wird im ersten Satz mit einem einzigen Wort beantwortet, einem Nein. Nein, Punkt aus Ende. Ok, wie im verlinkten Interview nachzulesen kommt es dann zum Aufruf nach mehr Forschung. Aber eben auch die vorstehende zitierte Aussage zur Hauptursachenquelle wird gemacht, zur Untermauerung dieses Neins.

Doch wieso diese Verleugnung von Verantwortung? Wieso dieses Outsourcing, zumal ja das Ergebnis, der psychisch belastete Mitarbeiter bzw. die psychisch belastete Mitarbeiterin ja ohnehin früher oder später im Betrieb erscheinen wird, wie eben auch ein in der Fertigung ausgelagertes Teil oder eine Baugruppe?

Und weil Interviews wie dieses m.E. nicht einfach so zwischen Tür und Angel gegeben werden, drängt sich mir ein böser Verdacht auf, eine ungute Vorahnung von dem, was passieren kann: Menschen mit Burnout könnten zum Politikum der Tarifvertragsparteien werden! Ja das gesamte Gesundheitsthema Burnout, oder allgemein psychische Belastungen am Arbeitsplatz könnten zum Politikum werden!

Lesen Sie meinen ganzen Blog-Beitrag "Outsourcing des Burnout-Problems" auf www.burnout-unternehmensberatung.de.

Samstag, 4. August 2012

Arbeitsverdichtung, Stress, Burnout, Tod


Was im Krankenhaus schlecht ist kann woanders nicht gut sein


Ein wenig fürchte ich, meine Blog-Beiträge könnten langweilig werden. Mich beschleicht das Gefühl, immer über dieselbe Sache zu schreiben. Nun, bei einem Blog der sich um das Burnoutsyndrom dreht, Stress, Depressionen und Wege in den Burnout sowie damit zusammenhängende Themen in Wirtschaft und Gesellschaft, kann dies eigentlich nicht anders sein. Ich werde immer irgendwo über Burnout schreiben. Aber das ist es nicht.

Es ist eher, als würde ich zum wiederholten Mal über betriebliche Organisation, Mitarbeiterführung und Unternehmensführung schreiben. Für einen Unternehmensberater ebenfalls nichts Ungewöhnliches. Aber ich komme mir vor, als würde ich über Dinge schreiben, die ich schon vor 20 Jahren auf der Universität während des Studiums gelernt habe. Mir stellt sich die Frage, was sich eigentlich in den letzten 20 Jahren in Sachen Organisation, Unternehmensführung und Personalführung geändert hat, dass alles was ich einmal gelernt habe „falsch“ ist?

O.k., Falsch ist das falsche Wort. Denn irgendwie muss ich mal etwas richtiges gelernt haben, denn was heute in Unternehmen zu sehen ist und was u.a. zu immer mehr Stress, Belastung und eben auch zu Burnout führt, widerspricht dem, was mich einst meine Professoren für Organisation sowie Unternehmensführung lehrten. Oder der heutige Zustand ist im Einklang mit dem was sie lehrten, aber ich habe sie falsch verstanden. Alternativ waren sie Männer die Einzigen auf der Welt, die wusste wie „es richtig geht“ und deshalb  stehen meine Ansichten im Gegensatz zur herrschenden Lehre bzw. im Gegensatz zur vorherrschenden Praxis. Für letzteres zumindest nicht die Wahrscheinlichkeit als extrem gering anzunehmen.

Nein, einen Diskurs über Theorie und Praxis will ich nicht führen. Aber ich will wiederholt anmerken, dass es in der Praxis ganz offenbar erhebliche Fehler gemacht werden und zwar solche, die nach meiner Auffassung jedwedem Verstande zuwider laufen müssten, es aber nicht tun. Oder aber die Menschen sagen nichts, beschweren sich nicht und werden einfach früher oder später krank. Oder sie sterben an Arbeitsverdichtung.

Was ist Arbeitsverdichtung? Nun, auf Wikipedia werden sie stand heute (1. August 2012) diesen Begriff nicht als Eintrag finden. Die Enzyklopädie bietet Ihnen stattdessen den Suchbegriff Arbeiterdichtung an. Diese hat nun aber rein gar nichts mit Arbeitsverdichtung zu tun - es sei denn es gäbe eine Arbeiterdichtung zu diesem Thema unserer heutigen Zeit. Denn vermutlich wäre Mitte oder Ende des 19 oder Anfang des 20. Jahrhunderts, jener Zeit als die Arbeiterdichtung Ihre Blüte hatte, niemand auf die Idee gekommen, Menschen würden an ihrem Arbeitsplatz nicht arbeiten oder aber nicht genügend arbeiten, für den Lohn den sie erhalten.

Dieser Gedanke aber ist die Triebfeder hinter Arbeitsverdichtung. Es heißt eigentlich nur mehr Aufgaben in der gleichen Zeit zu tun. Die Arbeitsdauer bleibt unberührt, aber die Produktivität soll so steigen - und nebenbei die Stückkosten sinken. Damit die Arbeit verdichtet werden, also intensiver gearbeitet werden kann, muss die Zeit zwischen und in Arbeitsschritten verringert werden oder der Zufluss von Arbeit muss auf ein konstantes Niveau gebracht werden. Das klingt erst einmal vernünftig, weil es als Aufgabe ein wenig wie die Bekämpfung von Verschwendung aussieht. Verschwendung im Unternehmen ist schlecht. Ja.

Aber kann Arbeitszeit verschwendet sein? Und wer kann dies beurteilen? Der Chef, der externe Unternehmensberater, der Betriebsrat oder nur der Mensch an diesem Arbeitsplatz selber?

Gehen wir vom japanischen Verständnis aus (woher auch der Gedanke der Verschwendungsbekämpfung kommt), dann ist der Mensch der eine Aufgabe verrichtet auch der Mensch, der der Experte für diese Aufgabe ist. Aber er ist der operative Experte. Im Alltag der Arbeit wird er oft nicht in der Lage sein einen Blick für problematische Zusammenhänge zu entwickeln. Daher das Andon-Prinzip. Tritt ein Fehler auf, kann jeder Arbeiter die Andon-Leine ziehen und die Produktion steht komplett still. Alle haben nun Zeit gemeinsam nach der Ursache für das Problem zu suchen. Und sie müssen es auch finden und beseitigen, denn vorher läuft die Produktion nicht wieder an. Falls sie es nicht wussten: Ja, es ist in der Tat so, dass in einer modernen Automobilproduktion der Fließbandarbeiter die gesamte Werkshalle zum Stillstand bringen kann - buchstäblich, indem der die Reißleine zieht, in dem Fall die Andon-Leine.

Damit es nicht oft zu solchen Stillständen kommt, gibt es Qualitätszirkel, sitzen die Experten zusammen und beraten Änderungen, Probleme und suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten. Dabei unterstützt werden sie von einem Spezialisten. Dies ist meist ein Ingenieur und er hat keine Ahnung von den Handgriffen die zu tun sind. Aber er kennt die Zusammenhänge, die Verbesserungsmethoden und die Kontrollverfahren um Ergebnisse von Veränderungen zu bewerten. Zusammen ergibt dies in der richtigen Unternehmenskultur eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit hervorragenden Ergebnissen. Und so können u.U. durch dieselbe Werkshalle mit denselben Beschäftigten mehr Autos rollen und montiert werden - fehlerfrei.

Klingt gut. Aber genau das ist Arbeitsverdichtung nicht. Und deshalb kann Arbeitsverdichtung tödlich sein. Arbeitsverdichtung stellt die gesamte Organisation unter Generalverdacht. Eigentlich sind alle Menschen Faulpelze. Sie hängen zu lange in der Kantine herum, zulange in der Cafeteria beim Kauf eines Schokoriegels. Sie konzentrieren sich nicht auf ihre Arbeit, machen Pausen dabei und halten womöglich noch durch Gespräche die Kolleginnen und Kollegen von der Arbeit ab. So geht wertvolle bezahlte Arbeitszeit verloren. Verloren? Nein.

Wenn die Menschen, die die Beschäftigten auswählen Ahnung von ihrem Job haben, dann werden sie engagierte und vertrauenswürdige Menschen für das Unternehmen auswählen. Diese werden ihre Arbeit immer nach bestem Wissen und Gewissen machen. Sie werden es so gut tun, wie es die Prozesse im Unternehmen, die Hierarchie und die Funktionsverteilung ihren mit den ihnen gegebenen Mitteln erlauben. Das funktioniert allerdings dann nicht mehr, wenn das Unternehmen die Hygienefaktoren (hierzu gehören u.a. Gehalt, Führungsstil, Arbeitsplatzbedingungen) nicht mehr bereitstellt, die für dieses motivierte Verhalten erforderlich sind.

Aus Sicht von Unternehmensberatungen die Land auf, Land ab Arbeitsverdichtung verkaufen sieht das aber anders aus. Da sind überall kleine Lücken in Arbeitsabläufen (neu-deutsch Prozessen), die man schließen kann. Geschieht dies, wird die gleiche Arbeit in weniger Zeit geleistet oder kann in der gleichen Zeit mehr getan werden. Soweit die Theorie. Belegt wird das Ganze mit Prozessanalysen. Leider. Denn Prozessanalysen mache ich als Unternehmensberater auch. Allerdings suche ich nach Effekten in Prozessen, die Burnout und Stress fördern. Der Arbeitsverdichter aber sucht nach Zeit.

Denken Sie gerade an das Märchen „Momo und die grauen Herren“? Wunderbar! Sie sind auf dem richtigen Pfad. Der Arbeitsverdichter zeichnet den Arbeitsprozess auf, findet unnötig vertane Zeit und streicht sie. Das ist in der Realität etwas komplizierter. Wird es halbwegs richtig getan, dann liegen hinter wegfallenden Wartezeiten verbesserte IT-Prozesse, die Daten schneller liefern, verarbeiten oder verbesserter Fluss von Werkstücken. Eine neuer Roboter kann die Rüstzeit verringern helfen und damit die Zeit zwischen zwei Fertigungsschritten. So kann eine neue Aufgabe schneller begonnen werden. Kritisch wird es dort, wo es keinen Takt gibt, kein Fließband oder die Einsparungen nur auf dem Papier stehen, womöglich der Benchmark eines anderen Unternehmens sind. Das ist zum Beispiel bei fast jeder Dienstleistung und darunter fallen auch Krankenhäuser.

Krankenhaus und Burnout? War da nicht was? Richtig! Im Gesundheitswesen traten zuerst vermehrte Fälle von Burnout öffentlichkeitswirksam auf. Wenn ich in meiner Überschrift also von „Stress, Burnout, Tod“ schreibe, will ich dann darüber schreiben, dass Krankenschwestern, Pfleger, Altenpfleger und Ärzte jetzt so erkranken, dass sie tot umfallen? Nun will ich nicht sagen, dass es solche Fälle nicht gegeben hat. Bestimmt gab und gibt es sie. In der Überschrift aber geht es um jemand anderes. Dort geht es um die Patienten, die Kunden, die hilfebedürftigen Menschen, die auf Pflege im Krankenhaus, im Altenheim oder in einer anderen Einrichtung angewiesen sind.

Und jetzt wird jenen unter Ihnen, die meinen Blog mitverfolgen (was u.a. per RSS Update möglich ist) vermutlich klar, warum mich Déjà-vu Gedanken ereilen. Im Blog zum Thema Burnout im Vertrieb war es „nur“ die Kundenbeziehung, die unter den Prozessen und Vorgaben des Unternehmens litt und welche Kunden sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vertrieb psychisch belasteten. Hier nun führen die psychische Belastung, die Mehrarbeit und die verdichtete Arbeit zu Todesfällen.

Wenn Sie Zyniker sind und dies als Kollateralschäden der Unternehmensführung und Unternehmensberatung betrachten, also notwendiges Übel, um die Kosten unter Kontrolle zu halten, dann lesen Sie jetzt nicht weiter. Seien Sie aber darauf hingewiesen, dass eine zynische Grundhaltung einer der Indikatoren dafür ist, dass sich ein Mensch auf dem Weg in einen Burnout befindet.

Lesen Sie den kompletten Blog-Beitrag "Arbeitsverdichtung, Stress, Burnout, Tod" auf meiner Website.