Montag, 31. Dezember 2012

Wieso das Neue Jahr ungesund ist


Das Neujahr ist ein gefährlicher Irrtum


An jedem 31.12. finden wir dieselben Schlangen vor den Kassen im Supermarkt, so als würde es im kommenden, „neuen“ Jahr keine Lebensmittel mehr zu kaufen geben. Dabei ist nur am 01.01. eines jeden Jahres ein gesetzlicher Feiertag. Am 02.01. sind Preise zumeist nicht höher als am 31.12. (Preiserhöhungen finden eher vor Weihnachten statt), es sei denn die Mehrwertsteuer wird erhöht. Und dennoch sind die Supermärkte nicht weniger voll als an einem 24.12., dem zwei gesetzliche Feiertage, maximal drei Tage ohne geöffnete Geschäfte folgen. Und nein, meinen Beobachtungen zu Folge sind es nicht die letzten Silversterknaller, die den Kundenansturm auslösen. Eher scheint es so, als habe der Gedanke an ein „neues“ Jahr sich tief in unsere Köpfe eingebrannt. Aber warum?


Sicherlich treten an Neujahr zahllose neue Gesetze in Kraft. Manche beginnen eine neue Arbeit und für zahllose Familien beginnt in der Silvesternacht mit einer Kindsgeburt eine neue Zeit(rechnung). Aber für die Mehrheit der Menschen ist der 02.01., ist der 01.01. eine „neuen“ Jahres nicht anders, als der 31.12. oder 30.12. oder alle 363 Tage davor. Und wer kein Geld für Böller ausgegeben hat, bei dem ist auch das Portemonnaie gleich gut gefüllt und das Konto auch.


Was also versetzt uns so in Ekstase? Wieso glauben wir zu Neujahr nahezu krampfhaft an einen Neubeginn, der für die Mehrzahl von uns real gar nicht passiert? Wieso nehmen wir uns Dinge zum 01.01. vor, die wir uns auch zum 01.12. vornehmen könnten (ich verstehe jeden Menschen, der das Vorhaben weniger Süßwaren zu sich zu nehmen vom 01.12. auf den 01.01. verlegt)?


Was also ist es, das uns dazu verleitet gerade jetzt gute Vorsätze zu fassen, die wir jeden Tag fassen und umsetzen können; wohlgemerkt können, nicht könnten? Ist der Jahreswechsel so sehr mit dem alten Glauben an das Vertreiben böser Geister verknüpft, dass uns dies an Neujahr besonders leicht zu fallen scheint? Liegt es daran, dass wir nur alle 365 Tage die Jahreszahl ändern, wenn wir das Datum schreiben? Ist das wirklich ein so einschneidender Vorgang? Und was hat dies nun alles mit Burnout, Gesundheit und psychischer Belastung am Arbeitsplatz zu tun, oder im Privatleben? Nun mit der Belastung am Arbeitsplatz sehr viel. Das wird sich gleich zeigen, falls Sie es in Ihrem Arbeitsleben noch nicht selbst bemerkt haben.


Denn unsere Obsession mit dem Wechsel der Jahreszahl im gregorianischen Kalender, welcher übrigens erst seit 1582 durch Dekret von Papst Gregor XIII. gilt und damals den seit Julius Cäsar angewendeten Julianischen Kalender ersetzte, ist scheinbar grenzenlos, selbst wenn Neujahr nach dem gregorianischen Kalender ab 1582 nicht überall auf der Welt zur gleichen Zeit stattfand. Wenn heute selbst in China und der islamischen Welt Verträge und staatliche Feiertage anhand des gregorianischen Kalenders festgelegt werden, so ist das eine vergleichsweise neue Tatsache. So wechselte China erst 1949 und Russland 1918 in Folge der jeweiligen dortigen Revolutionen zum gregorianischen Kalender, Japan 1873 und das Vereinigte Königreich von Großbritannien erst 1752.


Zumindest in den Fällen von England und Japan wird historisch interessierten Menschen die zeitliche Nähe der Umstellung zur unaufhaltsamen Industrialisierung beider Staaten auffallen. Und in der Tat diktiert der päpstliche Kalender von 1582 heute nicht nur Vertragsdaten selbst in der islamischen Welt. Er setzt den Stichtag für Jahresabschlüsse, Halbjahresberichte und Quartalsberichte fest. Letztere wiederum sind ihrem Inhalt nach nicht unbedeutend für das Spekulationsverhalten an den Börsen weltweit. Das Datum ist eine Handelsware geworden. Bei Terminkontrakten für Rohstoffe wie Erdöl oder für Grundnahrungsmittel und bei Ausschreibungen für Projekte. Wir sind nicht von der Zeit getrieben. Zeit ist - zumindest auf der Erde - immer gleich (so ich Einstein richtig verstanden habe). Wir sind Datumsgetrieben, stehen im Terminstress.


Nun ist dem gregorianischen Kalender wenig Willkür zu unterstellen. Die bekannte Mathematik ihrer Zeit wurde von päpstlichen Astronomen ausgereizt, wie es ging, um einen wahrhaft plausiblen Kalender zu erstellen, der ein stabiles Kirchenjahr mit festen Festtagen in Übereinstimmung mit der Jahreszeit und dem Monat erlaubte. Unserer Entscheidung Termine zum Maßstab von Dingen zu machen ist einem vergleichbaren Wunsch nach Stabilität und Gleichförmigkeit zuzuordnen. Uns so feiern Unternehmen zwar nicht das „Neue Jahr“ aber regelmäßig zwischen drei und sechs Monate nach demselben die Veröffentlichung ihrer Bilanzen und Jahresabschlüsse für das dann schon lange vergangene Jahr. Parallel findet in den meisten Unternehmen  währenddessen schon die Planung für das Folgejahr statt oder am laufenden Plan werden gerade Korrekturen - zumeist Einsparungen - vorgenommen.


Nun will ich aber nicht wieder wider die Planwirtschaft in unternehmen schreiben. Denn so ungesund diese sein mag, so sehr verdient auch unser Datumsfetisch Aufmerksamkeit. Nun ist es sicherlich sinnvoll Aufgaben in einem zeitlich angemessenen Rahmen abzuschließen.  Damit dies gewährleistet ist, versuchen Unternehmen mit umfänglicher Aufgaben- und Projektkontrolle Fortschritte zu verfolgen und zeitliche Abweichungen früh zu bemerken. Mindestens die berühmte Projektampel kommt in jedem Unternehmen zum Einsatz - fast.


Den der Termindruck resultiert nur aus dem Erfordernis am Tag X einen Quartalbericht mit abgeschlossenen Aufgaben vorzulegen, am Ende des Jahres alle Projekte abgeschlossen zu haben, damit die Planziele erreicht sind und der Bonus des Vorgesetzten gezahlt wird. Dabei wird aber nicht dem Notwendigen gefolgt. Es geht bei diesem Verhalten nicht um die Aufgabe, nicht um die Lösungsqualität sondern nur um das Datum. Es wird unterstellt, dass gute oder richtige Lösungen oder die Erledigung von Aufgaben immer möglich sind und immer geschaffen werden können, unabhängig von deren Dauer. Nur Zeit, ausgedrückt im Datum, die scheint begrenzt. Wer gut ist schafft die Lösung, die Erledigung der Aufgabe in wenig Zeit, verbraucht wenig Tage des Kalenderjahres.


In Unternehmen mit besonders psychisch belasteter Unternehmenskultur wird auf den Gängen oft gewitzelt, dass ein neues Projekt wenn es beschlossen wurde, am besten schon einen Tag vorher fertig gewesen sein sollte und idealerweise nichts gekostet hat und ab dem Tag der Einführung Gewinne erwirtschaftet. So lachhaft dies sein mag, so sehr tendieren die Erwartungen an beschäftigte, und Führungskräfte der mittleren Ebenen, genau in diese Richtung. Nicht weil dadurch die Aufgabe besser oder gewissenhafter erledigt werden würde, die Qualität des Projektergebnisses ansteigen würde, sondern weil der Kalender Festlegungen erlaubt, die das falsche Gefühl von Sicherheit, Planbarkeit und Freiheit versprechen. Doch die Realität, das Leben, sieht eben anders aus.

Lesen Sie meinen kompletten Blog Beitrag zum neuen Jahr "Wieso das Neue Jahr ungesund ist" auf meiner Website http://www.burnout-unternehmensberatung.de 


Dienstag, 18. Dezember 2012

Psychische Gesundheit in den Schlagzeilen


Leistungsfähig trotz Depressionen



Dieser Tage haben zwei Nachrichten über psychisch belastete Menschen die Titelzeilen bestimmt. Beide kommen aus den USA. Sie heißen Lindsey und Adam.

Lindsey ist seit mindestens 2004 schwer depressiv, nimmt Medikamente. Sie ist ein Talent. Sie hat Erfolge vorzuweisen trotz Erkrankung. Je drei goldene und silberne und eine Bronze-Medaille bei Weltmeisterschaften und Olympia - aber auch schwere Stürze. Weltcup Siege und sich leer fühlen.

Über Adam wissen wir dagegen kaum etwas. Er ist niemandem aufgefallen, war wohl hochbegabt aber ungeschickt im Umgang mit anderen Menschen. Daraus entstand vermutlich ein psychisches Leiden. Wir wissen es nicht. Adam ist heute tot, Selbstmord nach einem Amoklauf an einer Grundschule in Newtown.

Beide kamen am gleichen Tag in die Schlagzeilen, Adam allerdings führt sie global an. Es mag die Faszination des Menschen mit der Sensation sein oder nur sein Mitgefühl angesichts der 20 toten Kinder und Ihrer ermordeten Lehrerinnen. Das Unbegreifliche begreifen zu wollen, gehört zu uns dazu. Es heißt aber auch, dass Adam das Bild von psychisch erkrankten Menschen und von Depressionen weit mehr prägen wird, als Lindsey.
  
So werden Unternehmen auch weiterhin bestrebt sein Menschen mit psychischer Erkrankung los zu werden - notfalls auch durch gezieltes Befördern eben genau dieser Erkrankung. In der Tat liest sich mancher Artikel für den Umgang mit Burnout-Betroffenen durch die Personalabteilung / HR eher wie eine Liste all der Dinge die man nicht oder genau anders machen sollte, um ans Ziel zu kommen (die "Ausmusterung"). Die optimale Rückführung in den Betriebsalltag steht trotz Fachkräftemangel nicht ernsthaft zur Debatte.

Das mag daran liegen, dass die meisten Vorgesetzten in ihren Rollen bereits heute sozial völlig überfordert sind. Die tägliche Versagensangst im Nacken müssen ihre inneren Abwehrreaktionen gegenüber psychisch belasteten und zwischenzeitlich erkrankten Mitarbeitern immens sein. Personalabteilungen dürften in diesen Menschen eher Schwachstellen erkennen, als Erfahrungspotential.

Lesen Sie den kompletten Beitrag "Psychische Gesundheit in den Schlagzeilen" auf meiner Website.